25.03.2026
Häusliche Gewalt - der Teufelskreis kann durchbrochen werden
Dieser Artikel behandelt häusliche Gewalt. Inhalte können belastend sein. Hilfe und Beratung: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 08000 116 016 (online: https://www.hilfetelefon.de).
Häusliche Gewalt ist ein vielschichtiges gesellschaftliches Problem, das hinter verschlossenen Türen stattfindet und oft lange verborgen bleibt. Sie kann jeden treffen - unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung oder Einkommen. Sie kann in Form von körperlichen Attacken, psychischer Kontrolle, Bedrohungen, sexualisierter Gewalt oder wirtschaftlicher Abhängigkeit auftreten. Die Folgen sind neben physischen Verletzungen häufig anhaltende psychische Belastungen oder ökonomische Notlagen.
Gewalt in Partnerschaften ist eine der häufigsten Formen häuslicher Gewalt. Frauen sind dabei mit 80% insgesamt häufiger Opfer schwerer körperlicher und sexualisierter Gewalt, Männer werden jedoch ebenfalls betroffen und sind oft untererfasst. In knapp 80 Prozent der Fälle übten Männer die Gewalt aus Seit 2020 haben Fälle von häuslicher Gewalt um 17 Prozent zugenommen. Insgesamt wurden 2025 265.942 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, im Vergleich zu 2024 ein Anstieg von 3,8 Prozent. (Quelle: Bundeskriminalstatistik).
Wir alle tragen Verantwortung: Häusliche Gewalt verschwindet nicht, wenn wir wegschauen. Hinsehen heißt nicht voreilig urteilen, sondern aufmerksam werden!
Genau dies möchte die Volkshochschule Amberg-Sulzbach tun mit der Ausstellung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales „Gewalt LOSwerden“, die ab dem 15. April im LCC in Sulzbach-Rosenberg gezeigt wird. Die großflächigen Aufsteller informieren über Ausprägungen von Gewalt und sensibilisieren. Sie zeigen aber auch die verschiedenen Hilfsangebote aus unserer Region.
Die Ansprechpartner können Sie kennenlernen beim Eröffnungsabend am 15. April um 18 Uhr. Die Kommunale Jugendarbeit des Landkreises Amberg-Sulzbach, das Team vom Notruf für Frauen des SkF e.V. Amberg, die Beratungsstelle Häusliche Gewalt gegen Männer (BHGM), die Beauftragten der Polizei für Kriminalitätsopfer (BPfK) sowie die Fachstelle Täterarbeit Häusliche Gewalt informieren über ihre Arbeit und bieten Beratung an. Für den weiteren Verlauf der Ausstellung liegen deren Flyer aus!
Jürgen Huhn ist Sozialarbeiter und leitet die „Fachstelle Täterarbeit Häusliche Gewalt“ seit 2023. Bei ihm können Menschen mit Gewaltproblemen lernen, Beziehungen und Partnerschaften gewaltfrei zu führen. Konflikte auf friedlichem Weg zu klären und nicht die Partner*in bzw. die Kinder weiter zu gefährden. Es ist möglich, für alle Beteiligten eine bessere, friedliche und freudige Zukunft zu gestalten.
Bei der Arbeit mit Tätern wird nach Lösungen gesucht - nicht verurteilt. Wie kann ich mein Verhalten ändern, dass ich eine Beziehung ohne Gewalt leben kann? Männer berichten, dass ihnen die Arbeit an ihren Gewaltanteilen nicht nur im Privatleben hilft, sondern auch bei Problemen am Arbeitsplatz. Sie bleiben gelassener, können Probleme schneller, klarer erkennen und Lösungen finden, ohne aggressiv werden zu müssen.
Auch über die Gefährdungslage der Kinder besteht in der Gesellschaft immer noch ein völlig falsches Bild. Kinder leiden immer mit und werden dauerhaft traumatisiert! „Wenn Sie eine glückliche Zukunft für Ihre Kinder wollen, dann beenden Sie die Gewalt. Sofort!“ gibt Jürgen Huhn, den Männern mit auf den Weg. Durchbrechen des Gewaltkreislaufs wirkt somit auch in die Zukunft! Jährlich entsteht Deutschland ein wirtschaftlicher Schaden durch häusliche Gewalt in Höhe von ca. 54 Milliarden (EIGE-Studie 2021).