Aufmerksam sein - pro Su-Ro

Direkt zum Seiteninhalt

Aufmerksam sein

Presse
Aufmerksam sein

Ich komme gehetzt von der Arbeit und hole mein Kind vom Kindergarten ab. Zuhause will es mit mir sofort weiterspielen, ich aber möchte kochen und dann ein wenig ausruhen. Was tun?

In einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem dänischen Erziehungstherapeuten Jesper Juul macht Juul deutlich, wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein. Sich selbst gegenüber und seinem Kind gegenüber. Seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und die des Kindes und dies auch mitzuteilen. In der Situation gestresst nach Hause kommen also klar sagen, dass ich jetzt erst einmal koche und mich dann zehn Minuten hinlege, und mein Sohn, meine Tochter vielleicht eine Hörspiel-CD anhört.

Sind beide arg gestresst, denn auch für das Kind bedeutet die Flut der Anregungen in der Kita und das Zusammensein mit vielen Kindern und den Erzieher*innen Stress, dann hilft eine kleine Atemübung: Ich nehme die Hand meines Kindes und lege sie mir auf den Bauch. Dann atme ich ein paar Minuten nur. Anschließend machen wir es umgekehrt. Es kehrt Ruhe ein und mein Kind lernt, dass auch ich einem Druck ausgesetzt bin und wie man damit umgehen kann. Wichtig ist es, authentisch zu sein. Dem Kind zu zeigen und zu sagen, wie es einem geht, denn dann nimmt man seine Tochter, seinen Sohn ernst. Es schafft Nähe und vertieft die Beziehung.

Unsere Kinder wollen teilhaben an unserem Leben. Alles, was sie für ihr späteres Leben lernen, lernen sie durch das Zusammenleben in der Familie. Und meist nicht, durch das, was wir uns oft unter bewusstem Erziehen vorstellen. Sondern wie wir als Familie miteinander umgehen ist Vorbild für die Kinder und prägt sie. Wir als Eltern können nie alles „richtig“ machen. Wir machen trotz unserer Bemühungen Fehler in der Erziehung. Aber wir können zu unseren Fehlern stehen und uns vielleicht einmal entschuldigen. Wir können zeigen, dass wir Grenzen haben. Wir dürfen auch weinen, schreien oder toben. Wir dürfen alle Gefühle zeigen, die wir haben. „Heutige Romantiker glauben, ihre Gefühle schaden dem Kind. Aber die Abwesenheit von Gefühlen schadet dem Kind.“, so Jasper Juul.

Ein Vater berichtet von seinem Sohn, der ständig eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder ist und schnell einmal zuhaut. Alles Auf-ihn-Einreden hilft nicht. Bis dem Vater die Tränen kommen und er dem Älteren sagt, wie weh es ihm tut, wenn er den Kleinen schlägt. Seitdem prügelt der Ältere nicht mehr.

Geholfen hat hier nicht das Diskutieren mit dem Sohn, sondern dass der Vater sein Gefühl gezeigt und es dem Jungen mitgeteilt hat. Mit Gefühlen umgehen lernen die Kinder bei den Eltern. Also authentisch sein und zu seinen Gefühlen stehen. Mit dem Kind auf Augenhöhe umgehen, denn es hat die gleiche Würde wie wir Erwachsenen. Das heißt nicht, dass Eltern und Kinder gleichberechtigt sind. Kinder brauchen Führung und Grenzen. Aber ehrlich zueinander sein, sich gegenseitig ernst nehmen, das macht die Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern aus.

Zum Glück gibt es ja nicht nur Problemsituationen. Auch Gelassenheit gehört in den Umgang mit meinem Kind. Ich kann mich als Mutter oder Vater einfach an meinem Kind freuen und es genießen. Kinder sind wertvoll…

Haben Sie Bedarf, sich mit anderen Eltern auszutauschen – über Aufmerksamkeit und authentisch Sein im Umgang mit Ihrem Kind? Dann nutzen Sie das Angebot von Elterntalk. Einfach anrufen unter 09661/52858 oder eine E-Mail schreiben an elterntalk@koja-as.de

Zitat und Gedankengut aus: Jesper Juul. Man kann seine Kinder auch einfach nur genießen. Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 07.Mai 2012

Wirtschaft und Kulturforum pro Su-Ro e.V.
1. Vorsitzender Kurt von Klenck
Frühlingstraße 12
92237 Sulzbach-Rosenberg
Telefon 09661/810746
Telefax 09661/810748
Zurück zum Seiteninhalt